Shiitake selbst anbauen
Shiitake gehören zu den dankbarsten Pilzen für den Eigenanbau. Zwei Wege führen zum Ziel: schnell mit einer Fertigkultur oder langsam und langlebig auf Holzstämmen.
Fertigkultur
- Erste Ernte: nach 1–3 Wochen
- Ertrag: mehrere hundert Gramm pro Block, in 2–4 Wellen
- Ort: Küche, Keller, Badezimmer
- Aufwand: gering, ideal für Einsteiger
- Lebensdauer: 2–4 Monate
Holzstamm
- Erste Ernte: nach 6–18 Monaten
- Ertrag: 1–2 kg pro Stamm über die Lebensdauer
- Ort: schattiger Platz im Garten
- Aufwand: einmal viel Arbeit, dann wenig
- Lebensdauer: 3–5 Jahre, oft länger
Methode 1: Fertigkultur in der Wohnung
Eine Fertigkultur ist ein Block aus gepresstem Sägemehl, oft mit Getreidekleie angereichert, der bereits vollständig vom Myzel durchwachsen ist. Viele Blöcke sind braun und ledrig – das ist die schützende Myzelhaut, kein Schimmel.
- Starten: Folie entfernen. Viele Hersteller empfehlen, den Block zuerst 12–24 Stunden in kaltes Wasser zu legen – das simuliert einen Regenguss und löst die Fruchtbildung aus.
- Standort: hell, aber ohne direkte Sonne, 15–22 °C. Eine durchsichtige Haube oder eine Tüte mit Luftlöchern hält die Luftfeuchtigkeit hoch.
- Pflegen: zweimal täglich mit Wasser besprühen. Die Pilze brauchen Frischluft – Haube regelmäßig lüften.
- Ernten: wenn sich die Hüte gerade öffnen und der Rand noch leicht eingerollt ist. Pilz am Stiel herausdrehen, nicht abschneiden.
- Ruhen und wiederholen: Den Block 2–3 Wochen trocken ruhen lassen, dann erneut wässern. Nach 2–4 Wellen ist er erschöpft – und ein guter Kompost.
Methode 2: Holzstämme im Garten
So wird Shiitake seit Jahrhunderten angebaut. Die Pilze wachsen langsamer, sind fester und aromatischer – und ein Stamm trägt jahrelang.
Das richtige Holz
- Gut geeignet: Eiche, Hainbuche, Buche. Auch Birke, Erle und Ahorn funktionieren, bauen aber schneller ab.
- Ungeeignet: Nadelholz und Obstbäume mit sehr hartem oder harzigem Holz.
- Maße: 10–20 cm Durchmesser, etwa 1 m lang. Die Rinde muss unbeschädigt sein, denn sie schützt vor Austrocknung und fremden Pilzen.
- Zeitpunkt: im Winter fällen, wenn der Baum ruht und viel Zucker im Holz speichert. Innerhalb von 2–6 Wochen impfen, bevor andere Pilze einziehen.
Impfen
- Löcher mit 8 mm Durchmesser (je nach Dübelgröße) etwa 3 cm tief bohren – alle 15 cm in einer Reihe, die Reihen rund 5 cm versetzt, sodass ein Rautenmuster entsteht.
- Impfdübel bündig einschlagen.
- Löcher und Schnittflächen mit flüssigem Wachs versiegeln.
Durchwachsen lassen
Die Stämme kommen an einen schattigen, windgeschützten Ort – etwa unter Bäume oder an eine Nordwand –, am besten schräg angelehnt oder kreuzweise gestapelt, damit Luft zirkuliert. Bei längerer Trockenheit wässern. Nach 6–18 Monaten zeigen sich weiße Myzelflecken an den Schnittflächen: Der Stamm ist durchwachsen.
Schocken und ernten
Shiitake fruchten von selbst nach Regen und Temperaturstürzen, vor allem im Frühjahr und Herbst. Planbarer wird es, wenn man die Stämme 24–48 Stunden in kaltes Wasser legt (etwa in eine Regentonne). Nach ein bis zwei Wochen erscheinen die Pilze. Danach braucht ein Stamm etwa 8–10 Wochen Ruhe, bevor er wieder geschockt wird.
Häufige Probleme
- Grüner oder schwarzer Schimmel auf dem Block: meist zu wenig Frischluft oder zu viel stehendes Wasser. Kleine Stellen mit Salz bestreuen oder ausschneiden, bei starkem Befall entsorgen.
- Lange, dünne Stiele, kleine Hüte: zu wenig Licht oder zu viel CO₂ – öfter lüften.
- Rissige, trockene Hüte: Luftfeuchtigkeit zu niedrig. (Bei Holzstämmen im kalten Winter kann daraus aber auch der begehrte „Blumen-Donko“ entstehen.)
- Schnecken: im Garten der Hauptfeind. Stämme erhöht lagern oder mit Schneckenkragen schützen.
Quellen
- Ampere A, Delhaes L, Soots J, et al. Hypersensitivity pneumonitis induced by Shiitake mushroom spores. Med Mycol. 2012;50(6):654–657. doi:10.3109/13693786.2012.658091 · PubMed